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Hier standen wir also. Raphael, der Tausende von Menschen get\'f6tet hat, ein Monster, eine Ausgeburt der H\'f6lle, kaltbl\'fctig und grausam wie der Teufel selbst, und ich, Leni. Die einzige Person, die wusste wer sich hinter Raphael Bunner wirklich versteckt. Die einzige Person, die ihn der Polizei h\'e4tte ausliefern k\'f6nnen. Und wahrscheinlich auch die einzige Person die ihn \'fcber alles liebte, trotz all der Dinge, die er getan hatte.\par
Bis zuletzt hatte er es vor mir geheim gehalten, mir eine wundersch\'f6ne, normale Freundschaft vorgespielt. Ich vertraute ihm, er vertraute mir, auch wenn er mir nicht alles erz\'e4hlte, wie etwa, dass er einen Anschlag auf den Minister ver\'fcbt hatte, bei dem dreitausend Menschen ums Leben gekommen waren. V\'e4ter, M\'fctter, T\'f6chter, S\'f6hne, Ehem\'e4nner, Ehefrauen, dreitausend Menschen die eine Familie besa\'dfen. Dreitausend Menschen, die Raphael in zwei Minuten ausgel\'f6scht hatte.\par
Mit zitternder Stimme sagte ich: \'84Ich wei\'df, was du getan hast.\ldblquote  Augenblicklich verfinsterte sich Raphaels Blick, drohend schaute er mich an. \'84Und was habe ich getan?\ldblquote , fragte er. Seine dunkle Stimme klang rau, wie so oft, wenn er unsicher oder traurig war. Ich liebte seine Stimme so sehr, dass es mir Tr\'e4nen in die Augen trieb. \'84Du hast diesen schrecklichen Unfall verursacht.\ldblquote , antwortete ich. Unruhig huschte mein Blick hin und her. Nur nicht zu seinen grasgr\'fcnen Augen, die ich so liebte. Raphael z\'f6gerte einen Moment, ein Schatten huschte \'fcber sein Gesicht. \'84Es war kein Unfall.\ldblquote , sagte er. Ich nickte. \'84Ich wei\'df.\ldblquote\par
Nun sah ich ihn doch an. Seine Augen blickten mich voller Trauer an. Er wird mich t\'f6ten, schoss es mir durch den Kopf. Doch ich war nicht in der Lage wegzulaufen oder nach Hilfe zu schreien.\par
Ich sp\'fcrte, wie Tr\'e4nen mir langsam \'fcbers Gesicht liefen, doch ich wischte sie nicht fort. Raphael wartete wieder einen Moment, dann breitete er seine Arme aus und ohne eine einzige Sekunde zu z\'f6gern, warf ich mich hinein und fing an hemmungslos zu weinen, in den Armen eines M\'f6rders.\par
\'84Scht.\ldblquote , beruhigend strich er mir \'fcber den Kopf. Ich klammerte mich an ihn, als hinge mein Leben davon ab. Als w\'fcrde Raphael mich besch\'fctzen, nachdem er \'fcber dreitausend Menschen kaltbl\'fctig umgebracht hatte. \'84Sie werden dich suchen.\ldblquote , sagte ich und wischte mir die Tr\'e4nen aus dem Gesicht. Raphael schaute mir ruhig ins Gesicht. \'84Sie werden mich auch finden.\ldblquote , meinte er. \'84Klingt es dumm, wenn ich sage, dass ich nicht will, dass sie dich finden?\ldblquote , fragte ich leise. Raphael nickte, ein sanftes Grinsen glitt \'fcber sein Gesicht. \'84Ja, das ist ziemlich dumm.\ldblquote , antwortete er und hielt mich fester in seinen Armen. \'84Willst du gefunden werden?\ldblquote , fragte ich. Wieder nickte Raphael, doch schwieg er. Ich bohrte nach: \'84Warum?\ldblquote  Raphael k\'fcsste mich. \'84Weil ich dich liebe. Du bist das Licht in meinem Herzen.\ldblquote  Ich kuschelte mich an ihn. \'84Du m\'fcsstest eigentlich der Schatten in meinem Herzen sein.\ldblquote , murmelte ich, wieder liefen mir Tr\'e4nen \'fcber das Gesicht. \'84Ich liebe dich.\ldblquote , sagte Raphael und dr\'fcckte mich vorsichtig. \'84Ich liebe dich auch.\ldblquote , antwortete ich.\par
\'84Achtung! Das Geb\'e4ude ist umstellt! Gegenwehr ist zwecklos, kommen sie mit erhobenen H\'e4nden heraus!\ldblquote , h\'f6rten wir pl\'f6tzlich eine Stimme von drau\'dfen. Ich schrak zusammen und schaute Raphael \'e4ngstlich an. Sanft lie\'df er mich los und schenkte mir ein L\'e4cheln. Das L\'e4cheln, das ich so liebte.\par
Dann drehte er sich um und ging zur T\'fcr. \'84Nein, Raphael, bitte!\ldblquote , rief ich und rannte ihm hinterher. Doch Raphael \'f6ffnete die T\'fcr und trat mit erhobenen H\'e4nden hinaus. Ich beachtete die bewaffneten M\'e4nner nicht, die drau\'dfen warteten. Schluchzend lief ich vor Raphael und schlang meine Arme um ihn. Er dr\'fcckte mich an sich und k\'fcsste mich wieder. \'84H\'e4nde in die Luft!\ldblquote , schrie einer der M\'e4nner. \'84Beide!\ldblquote  Wir hoben die H\'e4nde, w\'e4hrend wir uns unverwandt ansahen. \'84Sie hat nichts damit zu tun.\ldblquote , rief Raphael zu den M\'e4nnern und wandte den Blick von mir. \'84Ich bin der, den ihr sucht!\ldblquote  \'84Raphael\'85\ldblquote , fl\'fcsterte ich leise und schloss die Augen, wieder liefen mir Tr\'e4nen \'fcber die Wangen. Wieder ber\'fchrten mich Raphaels Lippen, sanft wie ein Schmetterling. Ich hielt die Augen geschlossen und sagte noch einmal: \'84Ich liebe dich.\ldblquote  \'84Ich liebe dich auch, mehr als alles andere auf der Welt.\ldblquote , h\'f6rte ich Raphaels dunkle Stimme.\par
Als ich die Augen \'f6ffnete, f\'fchrten zwei M\'e4nner Raphael zu einem Wagen und lie\'dfen ihn hineinklettern. Raphael erwiderte meinen Blick. \'84Wir m\'fcssen sie ebenfalls mitnehmen.\ldblquote , sagte einer der Polizisten. Verwirrt sah ich ihn an. \'84Keine Angst, sie m\'fcssen uns nur ein paar Fragen beantworten, kommen sie.\ldblquote  Ich sah verzweifelt zu Raphael. Er l\'e4chelte mich an und unwillk\'fcrlich l\'e4chelte ich zur\'fcck.\par
\'84Ich komme.\ldblquote  \par
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